analyse kulturpalast dresden

“Ein neues Haus, erbaut durch des Volkes Fleisz, errichtet durch des Volkes Macht und Willen, dem Volk zu dienen nach des Volkes Sinn, um Wissensdrang und Schoenheitsdurst zu stillen.” – Max Zimmering

Ziel der Planung des Kulturpalastes, war die Schaffung eines Hauses, in der die von der sozialistischen Regierung propagandierten Maxime von volksnaher Kultur und Bildung in monumentaler Form verewigt werden sollten.
Die Staedteplanung der Deutschen Demokratischen Republik sollte Dresden als Kulturmetropole manifestieren, da die Stadt neben dem Kulturpalast auch ein Staatstheater und die Staatlichen Kunstsammlungen beherbergte. Nach den “16 Grundsaetzen des Staedtebaus” sollte der Kulturpalast urspruenglich als Hochhaus realisiert werden. Doch die Gewinner des ausgeschriebenen Wettbewerbs, das Kollektiv um Professor Leopold Wiel, gestalteten zunaechst ein dreistoeckiges Gebaeude.

31 500 Kubikmeter Beton, 1766 Tonnen Stahl, 2000 Kubikmeter Holz und 33 Monate nach der Grundsteinlegung im Februar 1967, praesentiert sich der Kulturpalast auf dem ehemals in Truemmern liegenden historischen Zentrum der Stadt, dem Dresdener Altmarkt.
Inmitten der Fuszgaengerzone der Schloszstrasze, welche den Weg vom Hauptbahnhof bis zur Elbe erschlieszt, bildet das Bauwerk einen kraftvollen staedtebaulichen Mittelpunkt. Es versucht mit der Sprache der damaligen zeit, zwischen den nach historischen Plaenen wiederhergestellten Gebaeuden und den Bauwerken der Neuzeit zu vermitteln. Trotz der gewaltigen Masse des Gebaeudes, harmoniert es, mit der im Vergleich scheinbaren Kleinteiligkeit der Blockrandbebauung seiner Nachbarschaft. Dies ist vor allem dem Freiraum an der suedlichen Seite des Kulturpalastes geschuldet, welcher mit seinen Dimensionen und seiner Kargheit dem Gewicht des Palastes standhaelt. Die horizontale Ausrichtung des Gebaeudes nimmt die Linearitaet der Wilsdruffer Strasze auf, die in der Vergangenheit Zeuge von vielen sozialistischen Paraden wurde. Durch die flache Form und die breiten Freiflaechen, laesst der Kulturpalast blicke auf andere bedeutende Bauwerke der Stadt zu, wobei er dennoch optischer Angelpunkt bleibt.

Die Aussenhaut des Gebaeudes wird durch ein rechteckiges, horizontales, zweistoeckiges Fensterband bestimmt, welches den gesamten Baukoerper umlaeuft. Die einzelnen braeunlich eingefaerbten Glasflaechen werden von Aluminumprofilen gehalten. Das Fensterband ist an seiner Ober- und Unterseite durch jeweils einen massiven Sims aus weiszem Beton gerahmt.
Ein aus Kupfer gefaltetes Dach, ueberragt den eigentlichen Abschluss des Baukoerpers und lockert die ansonsten strikte horizontale Ausrichtung des Gebaeudes etwas auf.
Halt findet der dominierende Oberkoerper auf einem Sockel von der Hoehe des Erdgeschosses, welcher allseitig etwa um fuenf Meter zum inneren des Gebaeudes versetzt wurde. Ein Wechsel von Transparenz und Verborgenheit, von groszzuegigen Glasflaechen und poliertem roten Granit lockert die langen horizontalen Flaechen des Erdgeschosses auf.
Das Spiel mit der Transparenz wird auch an der Westseite des Palastes zur Schloszstrasze sichtbar. Hier weicht die glaeserne Fassade einem massiven Wandbild des Kuenstlers Gerhard Bodzin. Betitelt mit dem Namen “Der Weg der roten Fahne” beschreibt das Bild die damalige Sichtweise auf den Zusammenhang zwischen Klassenkampf, gesellschaftlichem Fortschritt und Kultur.

Der zentrale Kern des Gebaeudes beherbergt den Festsaal mit einer 32 Meter breiten und 10 Meter tiefen Buehne. In dem im Grundriss diamantfoermigen Saal finden 2435 Gaeste platz. Eine Besonderheit ist das Wipparkett, welches durch eine verstellbare Neigung den Raum auch fuer Kongresse und Tanzveranstaltungen nutzbar macht. Die Materialitaet des Festsaales ist auf Teakholz verkleidete Waende, weisz verputzte Deckenkollunaden und eine anthrazit farbene Bestuhlung beschrenkt.
Um den Saal, in einem Stuetzenraster angeordnet, befinden sich die restlichen Raeume des Hauses.
Im Sueden das groszzuegig gestaltete mehrstoeckige Foyer, welches durch seine Transparenz und helligkeit zu einem kommunikativen Ort wird. Hier finden auch die beiden einlaeufigen Treppen platz, die das restliche Gebaeude erschlieszen. Der Haupteingang wird an der Suedfassade durch fuenf zweiflueglige Tueren aus Bronze markiert. Auf jeder einzelnen der Tueren ist ein Relief von Gerd Jaeger zu sehen. Insgesamt beschreiben die Reliefs in bildlicher Sprache, die Entwicklung der Stadt Dresden zur Kunst- und Industriemetropole.
An der Westseite befindet sich das Studiotheater und das Forum, welches als Tagungsraum genutzt wird. Im Norden, hinter der Buehne haben die Kuenstler ihre Gardroben und Aufenthaltsraeume. Im Osten befinden sich im zweiten Obergeschoss weitere Tagungsraeume, die unter dem klangvollen Namen Kongressetage Panorama zusammengefasst sind. Weiterhin ist im Osten auch die Verwaltung des Gebaeudes untergebracht.
Alle Semiar und Tagungsraeume sind mit vestellbaren Waenden versehen, so dass sie mit ihrem variablen Grundriss eine maximale Vielfalt an Nutzungsszenarien abdecken koennen.
Die einzelnen Raumstrukturen sind durch lange und relativ schmale, innnenliegende Gaenge miteinander verbunden.
Die Materialitaet des Innenraums, besticht wie das Nutzungskonzept, durch ihre Vielfältigkeit. Eingangs- und Gardrobenhalle sind mit verschiedenfarbigen Marmorplatten verkleidet. Der Bodenbelag der Seminarraeume und des Foyers ist in einem dunklen Grau gehalten, welches mit den weiszen Waenden und Decken kontrastiert und das optische Gewicht auf das untere Drittel des Raumes konzentriert. Zur auflockerung sind einige Wandstuecke und Stuetzen mit einer dunklen Makasser-Holzverkleidung betafelt.
Die Leuchtmittel im Forum, sind im Gegensatz zu denen der anderen Raeume des Gebaeudes, nicht durch ein zeitgenoessisches Beleuchtungskonzept ersetzt worden. Somit wird der ehemalige Charme der sozialistischen Baukultur nicht nur von Aussen sichtbar, sondern wird auch ansatzweise in den Innenraum portiert.

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